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Aus Ölschiefer

Die steigenden Erdölpreise zeigen klar, dass die langfristige Sicherung der weltweiten Erdölversorgung alleine aus Ölfeldern wohl nicht zu machen ist. Man besinnt sich anderer natürlicher Quellen für Rohöl, z.B. Rohöl aus Ölsand in Kanada. Neu kommt jetzt Ölschiefer dazu.

An sich nichts Neues: schon die Kriegswirtschaft in Deutschland im vorigen Jahrhundert hatte sich dieses Material ausgesucht. Immer wieder wird dieses Material untersucht denn Ölschiefer ist für die Rohölgewinnung mindestens so interessant wie Ölsand. In der Literatur wird sogar teilweise Ölschiefer und Ölsand ohne Unterschiede verwendet.

Ölschiefer

Ölschiefer hat einen Anteil von bis zu 18% an Rohöl, so in den Vorkommen in USA, in China wo jetzt schon Rohöl daraus gewonnen wird etwa 8%. Ölschiefer kommt in einer mineralisierten Form vor. Das Material hat eine Plattenstruktur mit brauner Färbung und ist nicht übermäßig hart. Also ein anderes Ausgangsmaterial als Ölsand. Vorkommen von Ölschiefer sind weltweit verbreitet vorhanden. Es gibt belastbare Schätzungen zu den Vorkommen. Zwei Punkte sind dabei gemeinsam: die geografisch breite Verfügbarkeit und die hohen Mengen.

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Accel Energie AG

Wir hatten Gelegenheit mit Anthony Chirico, CEO von Accel Energy AG, Zug / Schweiz, zu diesem Thema zu sprechen. Accel unterhält die einzige uns bekannte Produktion von Rohöl aus Ölschiefer weltweit und zwar in China, mit einem Jahresumsatz von rd. 66,8 Mio. USD in 2007 bei 10 Mio. USD Gewinn.

Extraktionsverfahren
Wir erfuhren, dass sich der Extraktionsprozess bei Ölschiefer wesentlich vom Ölsand Prozess unterscheidet. Beiden gemein ist der Open-pit Abbau (Tagebau). Aber die Prozesse arbeiten mit unterschiedlichen Temperaturen. So lässt Accel den Prozess mit 900° C (Ölsand 90° C) ablaufen.
Herr Chirico nannte das Erreichen und Beibehalten dieser hohen Temperatur im kontinuierlichen Prozess einen Schlüssel zum Erfolg, wobei dieses Vorgehen Teil der Patentfamilie von Accel ist. Dabei würde wie bei Ölsand auch Wasser verwendet – allerdings würde das Wasser im Prozess aufgefangen und recycled wieder verwendet, mit geringer Umweltbelastung. Bei Ölsand wird das benötigte Wasser meist aus der Natur gewonnen und mit allen Schwemmstoffen und der Anreicherung mit Schwermetallen und Giftstoffen wieder der Natur zurückgeführt. Ein Recycling müsste unter kanadischen legalen Bedingungen (noch) nicht vorgesehen werden; dies sei auch in der Praxis sehr schwierig zu erreichen.

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Ölschiefer Lagerstätte 


Prozessergiebigkeit

Auch die Ergiebigkeit an Öl wäre unterschiedlich, informierte Herr Chirico. Während bei Ölsand von ca. 10 Tonnen Material für einen Barrel ausgegangen wird, ist die Praxis bei Accel 12 Tonnen Material für 7 Barrel Öl (lokales Ölschiefer mit 8% Ölgehalt). In anderen Lagerstätten von Ölschiefer mit höherem Ölanteil wäre der Ertrag proportional höher.
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Zum Ende des Prozesses liegt bei Ölsand ein mehr oder minder reiner Sand vor, der renaturiert werden sollte.
Bei Ölschiefer läge zerkleinertes Gestein vor, das in der Herstellung von Zement gerne weiter verwendet wird. Auch für den Straßenbau (allerdings mit Bitumen Anteilen) würde sich dieses Material eignen. Die Renaturierung der Lagerstätte nach Ausschöpfung der Reserven sollte folgen, ähnlich wie bei uns die Kiesgruben.

Energiebilanz

Die Energiebilanz ist nicht eindeutig vergleichbar, da die Verfahren der Produktion sehr unterschiedlich verlaufen, sagte uns Herr Chirico. Wichtig wäre jedoch, dass bei Ölschiefer unter dem Produktionsverfahren von Accel das gewonnene Rohöl zur Beheizung mit verwendet wird (Accel Patent). Bei Ölsand würde mit von außen zugeführtes Naturgas das Wasser und/oder die Luft erhitzt um Öl und Sand zu trennen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass das Accel Verfahren effizienter ist.

Produktionskosten
Die Produktionskosten lassen aufhorchen. Herr Chirico gibt für Accel an, dass mit seinem Produktionsverfahren und auf Basis der Erfahrungen der laufenden Produktion Accel bereits ab einem Verkaufspreis von 25-30 USD/Barrel profitabel sei. Bei den nächsten Anlagen werde aus den Erfahrungen aus der laufenden Produktion in China eine Effizienzsteigerung möglich, die Auswirkungen auf die Kosten wolle man noch nicht beziffern.
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Zur Erinnerung: Der Barrelpreis liegt zurzeit bei knapp über 115 USD, die Redaktion von HardFacts hat bereits im Herbst 2007 für Ende des Jahres 2008 einen Preis von 175 USD hochgerechnet.

Investitionsvolumen:

Mit welcher Größenordnung von Investitionen müsste man für eine Produktionsanlage für Rohöl aus Ölschiefer rechnen?
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Herr Chirico nannte uns ca. 180 Mio. Dollar um eine Produktionsanlage zu erstellen die etwa 10.000 Barrel Rohöl täglich gewinnt.Da ein Tagebau erwartet wird, kommen Kosten für die Lagerstätten nur in einer geringen Größenordnung dazu.

Natürlich sei das gewonnene Öl nicht in der LSC (light sweet crude) Qualität. Allerdings auch nicht schlechter als die Qualität, die sich aus älteren Öllagerstätten gewinnen ließe, die Raffinerien seien darauf eingestellt.

Unsere Meinung:

Die Technologie von Accel scheint durch den Produktionsbetrieb belastbar zu sein. Sicherlich belastbarer als die angekündigte Methode von Raython über Mikrowellen Ölschiefer im Produktionsprozess zu erhitzen. Diese mit viel Presserummel 2006 angekündigte Methode hat unseres Wissens bislang nur im Labor funktioniert. Accel Produktionsmethoden scheinen reifer zu sein.

Ergänzende Anmerkung:

Accel ist ein börsennotiertes Unternehmen (Frankfurt). Der Marktwert liegt zurzeit etwa gleich dem Jahresgewinn von rund 10 Mio. USD. Dieser niedrige Börsenwert und damit geringe Liquidität der Aktie, bringen für den professionellen Investor ein Risiko, weshalb wir sie in unserem Musterdepot nicht berücksichtigen wollen. Wir investieren grundsätzlich nur in Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro / Dollar Marktwert. Allerdings lässt die Technologie von Accel aufhorchen.

 
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