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Geldentwertung Drucken E-Mail

Falschmeldungen & Ängste

Zurecht kritisieren viele Edelmetallanleger die teilweise höchst unseriöse Berichterstattung der Fachmedien. Manchmal hat es den Anschein, als sei das Gold inzwischen ein so ideologisches Metall geworden dass einzelne Schreiber nur noch in eine Richtung denken können. Die Wissenschaf bezeichne dieses Phänomen als selektive Wahrnehmung. Es wird nur das gesehen, was in das eigene Deutungsschema passt, alles andere wird übersehen oder bewusst ausgeblendet. Das beschwört die Gefahr von Missverständnissen und Fehldeutungen herauf, vor der auch der eine oder andere Goldbug leider nicht gefeit ist. 01euroscheine_150.jpg
 
In der Woche vor Weihnachten erschien eine lange Meldung, mit der reißerischen Schlagzeile „Deutschland: Vorbereitungen auf die Hyperinflation – Gelddruckmaschinen bestellt“. Der u.a. auf der Internetseite des Kopp-Verlags veröffentlichte Artikel von Udo Ulfkotte behauptete, das thüringische Unternehmen Ruhlamat habe „den größten Auftrag aller Zeiten bekommen: Gleich 14 komplette Gelddruckmaschinen müssen unter Hochdruck gefertigt werden.“ Mit der Schlussfolgerung: „So ein Auftrag, der ja für die Bundesrepublik bestimmt ist, ergibt nur dann einen Sinn, wenn man erwartet, dass man sehr bald sehr viel Geld wird drucken müssen. Im Klartext: Man erwartet demnächst eine Hyperinflation.“

Der Artikel nennt weitere Quellen, in denen eine bevorstehende Inflation bzw. Hyperinflation ausgerufen wird und die zur beängstigenden These führen: „Wie es aussieht, lässt die Bundesbank bei Giesecke & Devrient in München alle Vorbereitungen zum Drucken von massenhaften Euro-Noten treffen. Und das Unternehmen Ruhlamat aus Marksuhl freut sich über den gigantischen Auftrag. Die Bürger aber sollten nachdenklich werden. Sie werden allerdings nicht über die sich abzeichnende Entwicklung informiert. Es gibt halt keine Pressemitteilung, die die Journalisten der »Qualitätsmedien« abschreiben könnten …“

Andere Nachrichtenmedien übernahmen ungeprüft diese Meldung, so auch die doch für Rohstoffe bekannte Goldseiten.de. Auch hier unterlag man wohl der selektiven Wahrnehmung.

Unsere Recherche offenbart:
Ausgangspunkt dieser Gedankengänge war ein Satz aus einem Artikel in der Thüringer Allgemeinen vom 22. Dezember 2009. Dort hieß es: „Das in Marksuhl ansässige Unternehmen wird 14 Anlagen herstellen, auf denen druckfrische Geldscheine bearbeitet werden. Aus Sicherheitsgründen wird der Auftraggeber nicht namentlich genannt.“

Druckfrische Geldscheine bearbeiten, das erinnerte spontan an überdruckte Briefmarken und Geldscheine aus der Hyperinflation während der Weimarer Republik. Sollte etwas derartiges insgeheim tatsächlich vorbereitet werden? Wenn ja, dann wäre das starker Tobak und ein klares Zeichen, dass man auch als Investor bzw. Privatanleger sehr ernst nehmen müsste.
 
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Inflationsgeldschein aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts nur einseitig bedruckt - Photo: HardFacts

Wenig substantielles, viel Phantasie und ein großer Wirbel um Nichts
Ein längeres Telefonat, noch vor Weihnachten mit Thomas Mack, dem Geschäftsführer der Fa. Ruhlamat geführt, brachte schon nach wenigen Minuten eine Menge Licht ins Dunkel. Die in Marksuhl gefertigten Anlagen können viele Dinge, aber sie können nicht wie behauptet „druckfrische Geldscheine bearbeiten“. Also keinesfalles die nachträgliche Veränderung der Geldscheine: es können weder neue Scheine gedruckt noch alte überdruckt werden. Sollte also jemand in Deutschland oder anderswo die Hyperinflation vorbereiten, so wären diese Maschinen für die Durchführung ungeeignet und eine komplette Fehlinvestitionen. Eingesetzt werden die Anlagen bei der Distribution des Bargeldes. Wenn das Geld aus den Druckereien kommt, wird es in Deutschland beispielsweise dezentral über die Landeszentralbanken an die Geschäftsbanken und Sparkassen ausgeliefert. Die Banknoten müssen dabei kontrolliert, gezählt und anschließend verpackt werden und außerdem anhand der Nummern auf den Geldscheinen wird erfasst, welche Bank welchen Schein erhalten hat. Die in Marktsuhl gefertigten Anlagen unterstützen diesen aufwendigen hochtechnischen Prozess. Sie führen Tätigkeiten aus, die früher von Menschen wahrgenommen wurden und heute entsprechend zeitund kostenintensiv wären. Aber die Geldscheine die diese Maschinen durchlaufen werden nicht verändern.

Falsch ist auch die Aussage, die Bestellung käme aus Deutschland. Es ist uns aus dem Gespräch mit Thomas Mack bekannt und es ist nicht wie im Internet behauptet die Bundesrepublik Deutschland, sondern ein Land aus dem europäischen Ausland. Aus Gründen der Diskretion und auf Bitten der Fa. Ruhlamat möchten wir das Land, in das die Maschinen geliefert werden, nicht benennen.

HardFacts – Unsere Meinung
Für die Fa. Ruhlamat ist der Auftrag ein schöner Geschäftserfolg, für die über 230 Beschäftigten des Unternehmens und die Region ist er wichtig.

Aber für alle anderen ist er eher eine Randnotiz. Und schon gar nicht kann die Bestellung der Anlagen als Beleg gelten für eine bevorstehende oder gar geplante Hyperinflationierung.

Die reißerische Story ist somit nichts anderes als ein künstlich erzeugter medialer Sturm im Wasserglas und ein journalistisch sehr schlecht recherchierter noch dazu. Die Übernahme des Artikels durch andere Medien ist ebenfalls ein Armutszeugnis.
Bevor Sie sich als geldanlegender Investor von windigen Geschichten in die Irre leiten lassen, achten Sie lieber auf die wirklich wichtigen Zeichen und zwar vor allem solche, die sowohl für Privatanleger als auch für institutionelle Investoren recht schnell und vor allem sicher nachvollziehbar sind.

Zu diesen zum Teil schon seit Jahren beobachtbaren Indizien gehört beispielsweise die starke Ausweitung von Staatsschulden und Geldmenge. Sie weist auf die großen Gefahren, denen unser Geldund Finanzsystem ausgesetzt ist, schon deutlich genug hin. Und als potentielle Gefahr erkannt, erfordert das starke Geldmengenwachstum von uns Investoren schon heute Gegenmaßnahmen zum Schutz unserer Vermögen. Zu diesen Gegenmaßnahmen zählt ohne Zweifel auch der Erwerb von physischem Gold und Silber als bleibende Wertanlage.
 
 
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