In der Woche vor Weihnachten erschien eine lange Meldung, mit der
reißerischen Schlagzeile „Deutschland: Vorbereitungen auf die
Hyperinflation – Gelddruckmaschinen bestellt“. Der u.a. auf der
Internetseite des Kopp-Verlags veröffentlichte Artikel von Udo Ulfkotte
behauptete, das thüringische Unternehmen Ruhlamat habe „den größten
Auftrag aller Zeiten bekommen: Gleich 14 komplette Gelddruckmaschinen
müssen unter Hochdruck gefertigt werden.“ Mit der Schlussfolgerung: „So
ein Auftrag, der ja für die Bundesrepublik bestimmt ist, ergibt nur
dann einen Sinn, wenn man erwartet, dass man sehr bald sehr viel Geld
wird drucken müssen. Im Klartext: Man erwartet demnächst eine
Hyperinflation.“
Der Artikel nennt weitere Quellen, in denen eine bevorstehende
Inflation bzw. Hyperinflation ausgerufen wird und die zur
beängstigenden These führen: „Wie es aussieht, lässt die Bundesbank bei
Giesecke & Devrient in München alle Vorbereitungen zum Drucken von
massenhaften Euro-Noten treffen. Und das Unternehmen Ruhlamat aus
Marksuhl freut sich über den gigantischen Auftrag. Die Bürger aber
sollten nachdenklich werden. Sie werden allerdings nicht über die sich
abzeichnende Entwicklung informiert. Es gibt halt keine
Pressemitteilung, die die Journalisten der »Qualitätsmedien«
abschreiben könnten …“
Andere Nachrichtenmedien übernahmen ungeprüft diese Meldung, so auch
die doch für Rohstoffe bekannte Goldseiten.de. Auch hier unterlag man
wohl der selektiven Wahrnehmung.
Unsere Recherche offenbart:
Ausgangspunkt dieser Gedankengänge war ein Satz aus einem Artikel in
der Thüringer Allgemeinen vom 22. Dezember 2009. Dort hieß es: „Das in
Marksuhl ansässige Unternehmen wird 14 Anlagen herstellen, auf denen
druckfrische Geldscheine bearbeitet werden. Aus Sicherheitsgründen wird
der Auftraggeber nicht namentlich genannt.“
Druckfrische Geldscheine bearbeiten, das erinnerte spontan an
überdruckte Briefmarken und Geldscheine aus der Hyperinflation während
der Weimarer Republik. Sollte etwas derartiges insgeheim tatsächlich
vorbereitet werden? Wenn ja, dann wäre das starker Tobak und ein klares
Zeichen, dass man auch als Investor bzw. Privatanleger sehr ernst
nehmen müsste.
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Inflationsgeldschein aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts nur einseitig bedruckt - Photo: HardFacts
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Wenig substantielles, viel Phantasie und ein großer Wirbel um Nichts
Ein längeres Telefonat, noch vor Weihnachten mit Thomas Mack, dem
Geschäftsführer der Fa. Ruhlamat geführt, brachte schon nach wenigen
Minuten eine Menge Licht ins Dunkel. Die in Marksuhl gefertigten
Anlagen können viele Dinge, aber sie können nicht wie behauptet
„druckfrische Geldscheine bearbeiten“. Also keinesfalles die
nachträgliche Veränderung der Geldscheine: es können weder neue Scheine
gedruckt noch alte überdruckt werden. Sollte also jemand in Deutschland
oder anderswo die Hyperinflation vorbereiten, so wären diese Maschinen
für die Durchführung ungeeignet und eine komplette Fehlinvestitionen.
Eingesetzt werden die Anlagen bei der Distribution des Bargeldes. Wenn
das Geld aus den Druckereien kommt, wird es in Deutschland
beispielsweise dezentral über die Landeszentralbanken an die
Geschäftsbanken und Sparkassen ausgeliefert. Die Banknoten müssen dabei
kontrolliert, gezählt und anschließend verpackt werden und außerdem
anhand der Nummern auf den Geldscheinen wird erfasst, welche Bank
welchen Schein erhalten hat. Die in Marktsuhl gefertigten Anlagen
unterstützen diesen aufwendigen hochtechnischen Prozess. Sie führen
Tätigkeiten aus, die früher von Menschen wahrgenommen wurden und heute
entsprechend zeitund kostenintensiv wären. Aber die Geldscheine die
diese Maschinen durchlaufen werden nicht verändern.
Falsch ist auch die Aussage, die Bestellung käme aus Deutschland. Es
ist uns aus dem Gespräch mit Thomas Mack bekannt und es ist nicht wie
im Internet behauptet die Bundesrepublik Deutschland, sondern ein Land
aus dem europäischen Ausland. Aus Gründen der Diskretion und auf Bitten
der Fa. Ruhlamat möchten wir das Land, in das die Maschinen geliefert
werden, nicht benennen.
HardFacts – Unsere Meinung
Für die Fa. Ruhlamat ist der Auftrag ein schöner Geschäftserfolg, für
die über 230 Beschäftigten des Unternehmens und die Region ist er
wichtig.
Aber für alle anderen ist er eher eine Randnotiz. Und schon gar nicht
kann die Bestellung der Anlagen als Beleg gelten für eine bevorstehende
oder gar geplante Hyperinflationierung.
Die reißerische Story ist somit nichts anderes als ein künstlich
erzeugter medialer Sturm im Wasserglas und ein journalistisch sehr
schlecht recherchierter noch dazu. Die Übernahme des Artikels durch
andere Medien ist ebenfalls ein Armutszeugnis.
Bevor Sie sich als geldanlegender Investor von windigen Geschichten in
die Irre leiten lassen, achten Sie lieber auf die wirklich wichtigen
Zeichen und zwar vor allem solche, die sowohl für Privatanleger als
auch für institutionelle Investoren recht schnell und vor allem sicher
nachvollziehbar sind.
Zu diesen zum Teil schon seit Jahren beobachtbaren Indizien gehört
beispielsweise die starke Ausweitung von Staatsschulden und Geldmenge.
Sie weist auf die großen Gefahren, denen unser Geldund Finanzsystem
ausgesetzt ist, schon deutlich genug hin. Und als potentielle Gefahr
erkannt, erfordert das starke Geldmengenwachstum von uns Investoren
schon heute Gegenmaßnahmen zum Schutz unserer Vermögen. Zu diesen
Gegenmaßnahmen zählt ohne Zweifel auch der Erwerb von physischem Gold
und Silber als bleibende Wertanlage.